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09.05.2017 | Werner Jostmeier MdL | www.jostmeier.de
Werner Jostmeier mit Polonicus-Preis geehrt
Feierstunde im Aachener Krönungssaal

„Solange die Welt besteht kann ein Deutscher niemals eines Polens Bruder sein! – Abgeordneter Werner Jostmeier und die positive Umwandlung des alten polnischen Sprichwortes. Der Landtagsabgeordnete Werner Jostmeier gehört der Nachkriegsgeneration an. Jedoch gerade der II. Weltkrieg und dessen Auswirkungen haben die wichtigste Rolle bei der Entwicklung seiner Beziehung zu Polen gespielt. Das Alles hat vor 42 Jahren 1975, während seines ersten Besuches in Polen begonnen.

Der junge Jura-Student wollte den Osten kennen lernen, obwohl er im westlichen Teil der Bundesrepublik Deutschland, in der Nähe von Holland geboren worden war. Seine erste Reise hat er privat mit einer kleinen Studentengruppe nach Danzig, Lublin, Warschau und Breslau organisiert und ein wenig Unterstützung lediglich von der katholischen Kirche und der Deutschen Botschaft in Warschau bekommen. Doch die erste Reise (wohlgemerkt ohne richtige Telefonverbindung, Handy, E-Mail und Internet) samt allen Strapazen hat seinen politischen Weg und seine Einstellung zu Polen geprägt…

In Danzig ist er Menschen begegnet, die die Spuren der Gräueltaten des II. Weltkrieges in sich trugen und vor allem einer Frau, die sich 1945 nach ihren Kriegserlebnissen geschworen hatte, keinem Deutschen mehr die Hand zu geben. Andererseits wurde er das erste Mal mit polnischer Gastfreundschaft und Herzlichkeit konfrontiert. Diese erste Begegnung der Polen und der jungen Deutschen hatte zur Folge, dass diese Frau ihren Schwur gebrochen hatte und Werner Jostmeier bis heute mit ihrem Sohn befreundet ist …

Für Werner Jostmeier wurde außerdem klar, dass er alles dafür einsetzen möchte, um den Gang der traurigen deutsch-polnischen Geschichte umzudrehen und ins Positive zu kehren, was zugegebenermaßen im Jahre 1975 eine ziemlich schwierige Aufgabe war.

Sein persönlicher Weg war auch nicht der leichteste. Als Sohn eines Schmiedes sollte er eigentlich vor Ort bleiben und sich um den Hof kümmern- so sah es die Tradition vor. Am Anfang hat er also den Beruf des Schmiedes erlernt, dann wurde er zum Landmaschinenschlosser ausgebildet und arbeitete im Familienbetrieb. Mit 18 stellte er sich jedoch die Frage, ob das schon alles im Leben sein sollte. Dann entschied er sich das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach zu machen und begann Jura zu studieren. Sein berufliches Schicksal zog ihn unter anderem als Manager bei der Deutschen Telekom nach Bonn.

Kurios ist auch die Tatsache, dass er der CDU im Jahre 1972 beigetreten ist und zwar aus Protest gegen die Ostpolitik Willi Brandts! Doch heute gibt er ohne zu zögern zu, dass gerade diese Politik und der Kniefall in Warschau richtig waren und, dass dadurch der Weg zu der Annäherung und der politischen Wende in Osteuropa geebnet wurde. Werner Jostmeier war von der Politik Konrad Adenauers, Charles de Gaulle, des jungen John F. Kennedy wie auch durch Papst Johannes der 23. inspiriert. Zuerst war er als Politiker in dem Kreistag aktiv, wo er u.a. den Posten des Beauftragten für die Kontakte zu der ehemaligen DDR bekleidet hatte. Sein Wirken hatte zur Folge, dass eine Partnerschaft zwischen Coesfeld und dem Kreis Neuruppin gegründet wurde. Dann im Jahre 1995 kam er als Abgeordneter in den Landtag von Nordrhein-Westfalen.

Von Anfang an war er fasziniert von vereintem Europa, von dem er bis heute sagt, dass es das Großartigste ist, was dieser Kontinent je hervorgebracht hat. Auch in Brüssel war er als Politiker aktiv, unter anderem gehörte er zum Vorstand der EVP und im Ausschuss der Regionen bekleidete er den Posten des Vorsitzenden der deutschen Delegation.

Seine Liebe zum Osten und zu Polen hat er auch in die Politik mitgenommen Eine Zäsur in der deutsch- polnischen Nachkriegsgeschichte bildet, seiner Meinung nach, die Aktion „Päckchen für Polen“, die in der Zeit des Kriegsrechtes und der Jaruzelski-Regierung in Polen von den Vertriebenen und Flüchtlingen ins Leben gerufen wurde und bei der sich Werner Jostmeier aktiv beteiligen hatte. Damals ist eine Hilfeaktion ohne Gleichen gestartet worden und es kam auch zu den ersten Mensch- zu - Mensch Begegnungen zwischen Deutschen und Polen. Dies ist nach Ansicht von Werner Jostmeier der Ursprung der positiven Veränderung in den beidseitigen Kontakten auf der menschlichen Ebene gewesen…

Auf der politischen Ebene kam es 2010 dazu, dass Werner Jostmeier den Vorsitz der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe übernahm, der Landtagsabgeordnete aus allen im Landtag vertretenen Parteien angehören. Unter dem Vorsitz Werner Jostmeiers ist diese Gruppe zu den größten, aktivsten und trotz der verschiedenen politischen Ansichten zu den harmonischsten geworden. Diese Entwicklung ist zweifellos auch dem Vorsitzenden zu verdanken, der unermüdet Reisen nach Polen, Veranstaltungen, Informations- und Kennenlernen -Treffen organisiert, gute Kontakte zu den polnischen Politkern sowie diplomatischen Vertretungen Polens und den in Deutschland lebenden Polen unterhält und den Kreis der Abgeordneten der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe im Landtag NRW um Freunde und Gäste erweitert hatte.

Werner Jostmeier sagt, dass er in die Politik in einer Zeit kam, in der sowohl die Politik selbst als auch die politische Arbeit in der Meinung der Menschen positiv besetzt war und das Politikersein positive Assoziationen weckte und, dass er traurig sei, dass sich diese Einstellung so gravierend geändert hat.

Für uns Polen ist es jedoch sicher, dass solche Menschen und Politiker, wie Werner Jostmeier, das Unmögliche ermöglicht haben, dass dank ihrem Einsatz die Annäherung zwischen Polen und Deutschen stattfinden konnte und im Endeffekt , dass die bilateralen Beziehungen zwischen Polen und Deutschland die besten seit tausend Jahren sind. Das Besondere an ihm ist außerdem, dass er immer die Rolle Polens bei der Wiedervereinigung Deutschlands hervorhebt und seine Bedeutung im vereinigten Europa.

Dafür möchten wir dem Abgeordneten Werner Jostmeier, der sich im Mai d.J. aus dem politischen Leben zurückzieht, herzlichst danken und ihm und uns wünschen, dass er sich auch im Ruhestand und als Träger des Polonicuspreises weiterhin für die Vertiefung der Freundschaft zwischen Deutschen und Polen engagiert…

Roma Stacherska-Jun

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